Kostenerstattungsverfahren

In Deutschland warten gesetzlich versicherte Patienten oft 6 Monate und wesentlich länger auf einen Psychotherapieplatz bei einem kassenzugelassenen Psychotherapeuten. Da dies psychisch erkranken Patienten selbstverständlich nicht zumutbar ist, sind die gesetzlichen Krankenkassen laut Gesetzt (§ 13 Abs. 3 Sozialgesetzbuch V) verpflichtet, bei "Systemversagen" (z.B. bei unangemessen langen Wartezeiten) die anfallenden Honorarkosten einer selbstbeschafften, unaufschiebbaren und notwendigen Psychotherapie in einer Privatpraxis zu erstatten (Kostenerstattungsverfahren). Dies gilt im übrigen für alle medizinischen Leistungen:

"Konnte die Krankenkasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen oder hat sie eine Leistung zu Unrecht abgelehnt und sind dadurch Versicherten für die selbstbeschaffte Leistung Kosten entstanden, sind diese von der Krankenkasse in der entstandenen Höhe zu erstatten, soweit die Leistung notwendig war. Die Kosten für selbstbeschaffte Leistungen zur medizinischen Rehabilitation nach dem Neunten Buch werden nach § 15 des Neunten Buches erstattet (§ 13 Abs. 3 Sozialgesetzbuch V)."

Einen guten Überblick zum Kostenerstattungsverfahren bietet die Broschüre der DPtV.

Seit dem 01.04.2017 gilt die neue Psychotherapie-Richtlinie. Diese sieht vor, dass gesetzlich versicherte Patienten vor dem Beginn einer Akutbehandlung, einer Kurzzeittherapie oder Langzeittherapie die Sprechstunde eines kassenzugelassenen Psychotherapeuten besuchen müssen (für Patienten ist die Sprechstundenregelung ab den 01.04.2018 verpflichtend!). Nach dem Besuch der Sprechstunde muss eine Akutbehandlung spätestens nach 14 Tagen beginnen! Der kassenzugelassene Psychotherapeut erfüllt Lotsenfunktion, indem er die Patienten entweder selbst behandelt, an einen kassenzugelassenen Kollegen vermittelt und wenn dies nicht möglich ist, an die Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung weiterleitet. Falls auch hier kein Therapieplatz vermittelt werden kann, soll die ambulante Behandlung in einem Krankenhaus erfolgen (auch hier sind jedoch die Kapazitäten begrenzt).

Was kann ich unternehmen, wenn ich trotz meiner Bemühungen keinen Psychotherapieplatz bei einem kassenzugelassenen Psychotherapeuten erhalte bzw. mit sehr langen Wartezeiten rechnen muss?

  • Sie haben die Möglichkeit eine Psychotherapie in unserer Privatpraxis in Laatzen in Anspruch zu nehmen.
  • Bitte drucken Sie diese zwei Formulare aus.

Formular 1

Kontaktieren Sie die Sprechstunden von drei kassenzugelassen Psychotherapeuten, notieren Sie auf dem 1. Formular "Vergebliche Therapieplatzanfragen" die Namen der Psychotherapeuten bei denen Sie keinen Psychotherapieplatz erhalten konnten sowie die Telefonnummern und das Anrufdatum/Besuchsdatum. Wenn Sie einen Sprechstundentermin bei einem kassenzugelassenen Psychotherapeuten erhalten können, dieser Ihnen jedoch keine Folgetermine anbieten kann, lassen Sie sich durch den Psychotherapeuten auf den Formular "Individuelle Patienteninformation zur ambulanten Psychotherapeutischen Sprechstunde (PTV 11)" welches dem Psychotherapeuten vorliegt, bestätigen, dass in seiner Praxis keine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt werden kann. Kontaktieren Sie die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) unter der Telefonnummer 0511 - 56 99 97 93 und bitten Sie um die Vermittlung eines Psychotherapieplatzes. Notieren Sie den Namen des Mitarbeiters und das Anrufdatum, wenn Ihnen kein Psychotherapieplatz vermittelt werden kann.

Formular 2

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt (z.B. Ihrem Hausarzt) auf dem 2. Formular "Notwendigkeitsbescheinigung zur Aufnahme einer Psychotherapie" bestätigen, dass Sie umgehend mit einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung beginnen müssen um eine weitere gesundheitliche Gefährdung und weitere Chronifizierung der psychischen Symptomatik zu verhindern.

  • Nehmen Sie Kontakt mit Ihrer gesetzlichen Krankenkasse auf. Weisen Sie in einem persönlichen Gespräch mittels Formular 1 und 2 sowie dem Formular "Individuelle Patienteninformation zur ambulanten Psychotherapeutischen Sprechstunde (PTV 11)" nach, dass Sie keinen Termin bei einem kassenzugelassenen Psychotherapeuten erhalten können und dass ihr Arzt eine Psychotherapie für notwendig und unaufschiebbar hält. Ihre Krankenkasse ist unter diesen Bedingungen gesetzlich verpflichtet Ihnen die Honorarkosten einer Psychotherapie nach der amtlichen Gebührenordnung der Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten und Ärztinnen, Ärzten GOP/GOÄ zu erstatten. Lassen Sie sich von ihrer Krankenkasse bestätigen, dass die Krankenkasse die Honorarkosten von zunächst 4 probatorischen Sitzungen (diese Sitzungen dienen u.a. dazu, zu prüfen, ob Ihnen eine Psychotherapie helfen kann) nach GOP/GOÄ (amtliche Gebührenordnung der Psychotherapeuten/Ärzte) übernimmt. In den probatorischen Sitzungen werden wir ausführlich über Ihre Problematik sprechen, Sie vollumfänglich über das Vorgehen in einer Psychotherapie aufklären und mit Ihnen zusammen die Übernahme der Honorarkosten bei Ihrer Krankenkasse beantragen.
  • Vereinbaren Sie mit uns einen 50 minütigen Ersttermin. Die hierfür anfallenden Honorarkosten nach der amtlichen Gebührenordnung der Psychotherapeuten und Ärzte GOP/GOÄ in Höhe von Euro 100,55 werden Ihnen bei Vorliegen einer  Kostenübernahmebestätigung der Krankenkasse, erstattet. Bitte kontaktieren Sie uns zur Terminvereinbarung über unser Kontaktformular.